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Die neuen Regeln
gültig seit 1998
`endgültig´ ab 2006

 

Hintergrundinformationen

 

Institut für Deutsche Sprache: Überflüssige Rechtschreibdebatte
(Stand 06/2005)

Das Institut für Deutsche Sprache (IDS) appelliert an Schulen und Medien, die sich für die neue Rechtschreibung entschieden haben, sich von dem aktuellen orthographischen Sommertheater nicht beirren zu lassen. Die aktuelle Diskussion ist auch deshalb überflüssig und störend, weil sie von wichtigeren sprachlichen und sprachpolitischen Themen ablenkt. Die deutsche Sprache ändert sich durch Neuwörter und Entlehnungen erheblicher, als es durch irgendeine Änderung der Rechtschreibung möglich wäre. Bedenklich ist, dass in ganzen Sach- und Fachbereichen die deutsche Sprache zugunsten eines (meist vereinfachten) internationalen Englisch völlig aufgegeben wird. Das heißt, das Deutsche entwickelt sich in diesen Bereichen nicht mehr weiter. Unsicherheit besteht außerdem über die Zukunft des Deutschen in einem hoffentlich auch künftig mehrsprachigen Europa. Eine intensive öffentliche Diskussion dieser Themen wäre der Sprachkultur in Deutschland zuträglicher als die ermüdende Diskussion darüber, mit wie vielen "f" Schifffahrt zu schreiben ist.

Seitdem "Die Welt" durch Fehlmeldungen und die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) durch ihre hastige Rückkehr zur alten Rechtschreibung eine erneute öffentliche Diskussion der seit 1998 geltenden Schul- und Behördenrechtschreibung entfacht haben, erhält das Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim eine Vielzahl von Anfragen und Aufforderungen zur Stellungnahme. Prof. Gerhard Stickel, der Direktor dieser zentralen wissenschaftlichen Einrichtung zur Erforschung des heutigen Deutsch und seiner neueren Geschichte, erklärt zur aktuellen Debatte:

1. Das Institut für Deutsche Sprache (IDS) appelliert an Schulen und Medien, die sich für die neue Rechtschreibung entschieden haben, sich von dem aktuellen orthographischen Sommertheater nicht beirren zu lassen. Ausgelöst durch eine Fehlmeldung über den vermuteten Inhalt der neuen Duden-Rechtschreibung hat die neuerliche Debatte nicht zu neuen Sachargumenten gegen die Rechtschreibreform geführt. Bisher haben sich nur die alten Gegner zu Wort gemeldet, also die Personen und Organisationen, die die Reform schon vor Jahren verhindern wollten. Sachliche Kritik sollte, wenn sie aus konkreten Erfahrungen mit der neuen Rechtschreibung gewonnen wird, der zwischenstaatlichen Rechtschreibkommission übermittelt werden. Falls sich Einzelheiten der neuen Rechtschreibung als korrekturbedürftig erweisen, wird es zu diesen Korrekturen nach Ablauf der Übergangsfrist kommen, wie die neue Rechtschreibung ohnehin entsprechend der allgemeinen Sprachentwicklung fortzuentwickeln ist. Das sollte aber mit Bedacht geschehen, nicht in kurzatmiger Erregung.

2. Zur Geschichte: Schon die von 1902 bis 1996 geltende deutsche Rechtschreibung wurde von manchen Schriftstellern und auch von Kaiser Wilhelm II. lange Zeit nicht akzeptiert. Die konservativen Kritiker wollten alte Schreibungen wie thun und Thür (statt tun und Tür) beibehalten. Mit der damals neuen Rechtschreibung waren aber auch einige ihrer Väter (wie Konrad Duden) unzufrieden. Es gab eine Vielzahl von Initiativen zur Verbesserung der Rechtschreibung. Aber erst seit den 70er Jahren konnten Fachleute aus den verschiedenen deutschsprachigen Ländern mit Erfolgsaussichten an einer Reform der Regeln von 1902 arbeiten. In staatlichem Auftrag wurden seit 1986 mehrere Vorschläge zur Verbesserung von Teilen und schließlich zur Reform der Rechtschreibung insgesamt vorgelegt und veröffentlicht. Die vorletzte Fassung wurde an insgesamt 50 mit Sprache befasste Verbände zur Prüfung geschickt. 30 Verbände beteiligten sich an der Diskussion, u.a. in eigens hierzu veranstalteten Anhörungen. (Einige der Verbände, die nicht reagierten, meldeten sich erst nachträglich zu Wort.) Zwischen den deutschsprachigen Staaten und Regionen wurde am 1. Juli 1996 vereinbart, ab 1. August 1998 die neue Rechtschreibung einzuführen. Bis 2005 gilt eine Übergangsfrist, in der auch die alte Rechtschreibung noch verwendet werden kann und die Einführung der neuen beobachtet und geprüft wird. Mit dieser Aufgabe ist ein Gremium aus deutschen, österreichischen und schweizerischen Fachleuten beauftragt: die zwischenstaatliche Rechtschreibkommission. Sie hat ihren Sitz beim IDS in Mannheim, ist aber nicht Teil dieses Instituts.

3. Die neuen Regeln führen nicht zu einem erheblich veränderten Schriftbild (wie etwa ein Vergleich der Ausgaben der FAZ vom 30. Juli und 1. August leicht zeigen kann.) Sie beseitigen behutsam eine Reihe von Ungereimtheiten der Norm von 1902. So schreibt man - was viele Reformgegner nicht wissen - die Sauerstoffflasche schon nach alter Rechtschreibung mit drei gleichen Konsonanten (fff). Die Kritik an Details der neuen Rechtschreibung darf die Unzulänglichkeiten der alten nicht vergessen lassen (z.B. inkonsequente Schreibungen wie "in bezug auf" und "mit Bezug auf").

4. Ob 1902 oder 1996, die neuen Rechtschreibregeln sind wie die alten nur für Schulen und Behörden verbindlich. Inzwischen lernen rund 14 Millionen deutschsprachiger Schüler die neue Rechtschreibung. Hinzu kommen die vielen Schüler und Studierenden, die im Ausland Deutsch als Fremdsprache erlernen und die sich zumeist auf die neue Rechtschreibung eingestellt haben. Wünschenswert ist eine möglichst einheitliche Schreibung auch außerhalb von Schulen und Behörden. Wenn aber eine Zeitung wie die FAZ wieder zur Norm von 1902 zurückkehrt, kann sie kein Amt daran hindern. Ihre Begründung, sie wolle mit der Rückkehr zur alten Rechtschreibung die durch die Reform erzeugte Verwirrung beseitigen, kann nicht überzeugen. Diese angesehene Zeitung schafft oder verstärkt ja mit ihrem Schritt erst die Verwirrung, die sie zu ’heilen’ vorgibt. Von Verwirrung in den Schulen war bis zum Beginn der Sommerferien nichts zu spüren. Den allgemeinen orthographischen Frieden, zu dem die FAZ und andere Gegner der Rechtschreibreform zurückführen möchten, hat es freilich auch vor dieser Reform nicht gegeben (siehe Punkt 2).

5. Das zeitweilige Nebeneinander von alter Rechtschreibung und neuer, das bis 2005 weitgehend überwunden werden sollte, ist keine Kulturkatastrophe. Das Chaos-Gerede der Reformgegner lässt die Situation übertrieben dramatisch erscheinen. Ohnehin trägt die derzeitige Diskussion erneut zu der herkömmlichen Überbewertung der Rechtschreibung, zur Verwechslung von Orthographie mit Sprache bei. Rechtschreibung gehört nur zur Außenseite der Sprache. Sie hat eine Funktion, aber für sich keine Bedeutung. Sie ist lediglich die sichtbare ’Verpackung’ von Wörtern und Sätzen, die sich im Lauf der Zeit geändert hat, geändert worden ist und sich ändern lässt, wenn die in Schrift ’verpackten’ Wörter und Sätze wiedererkennbar bleiben. Goethes Werke in seiner eigenen Schreibung entsprachen weder der damaligen Orthographie noch den Rechtschreibregeln von 1902 oder von 1996. Sie wurden an die jeweils gültige Orthographie angepasst, ohne dass sie dadurch an Bedeutung verloren hätten.

6. Die aktuelle Diskussion ist auch deshalb überflüssig und störend, weil sie von wichtigeren sprachlichen und sprachpolitischen Themen ablenkt. Die deutsche Sprache ändert sich durch Neuwörter und Entlehnungen erheblicher, als es durch irgendeine Änderung der Rechtschreibung möglich wäre. Bedenklich ist, dass in ganzen Sach- und Fachbereichen die deutsche Sprache zugunsten eines (meist vereinfachten) internationalen Englisch völlig aufgegeben wird. Das heißt, das Deutsche entwickelt sich in diesen Bereichen nicht mehr weiter. Unsicherheit besteht außerdem über die Zukunft des Deutschen in einem hoffentlich auch künftig mehrsprachigen Europa. Eine intensive öffentliche Diskussion dieser Themen wäre der Sprachkultur in Deutschland zuträglicher als die ermüdende Diskussion darüber, mit wie vielen "f" Schifffahrt zu schreiben ist.

Weitere Informationen finden Sie unter

http://www.ids-mannheim.de/

 

 

 

 

Ergebnisse der 310. Plenarsitzung der Kultusministerkonferenz

(2. und 3. Juni 2005)

 

Neuregelung der deutschen Rechtschreibung

Die Kultusministerkonferenz dankt dem Rat für deutsche Rechtschreibung für die bisher geleistete Arbeit. Der Rat hat in kurzer Zeit die Bereiche möglicher Änderungen am Regelwerk benannt. Für den Schuljahresbeginn 2005/2006 ist für Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern bedeutsam, dass die 1996 beschlossene Neuregelung (in der Fassung von 2004) Grundlage des Unterrichts an den Schulen bleibt, bis der Rat gegebenenfalls konkrete Änderungen vorlegt. Für alle Bereiche, zu denen aus dem Rat keine Änderungswünsche zu erwarten sind, das sind die Laut-Buchstaben-Zuordnung, die Schreibung mit Bindestrich sowie die Groß- und Kleinschreibung, endet mit dem 31.07.2005 an Schulen der Übergangszeitraum bei der Fehlerkorrektur. Für jene Bereiche, zu denen der Rat noch mögliche Änderungen vorlegen könnte, werden die vor 1996 geltenden Schreibweisen bis auf Weiteres nicht als falsch markiert und bewertet.

Die Kultusministerkonferenz vereinbart zum Umgang mit der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung in allen Ländern:

1.    Die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung, wie sie sich aus der Amtlichen Regelung von 1996 in der Fassung von 2004 ergibt, ist die verbindliche Grundlage des Rechtschreibunterrichtes an allen Schulen.

2.    Am 31.07.2005 endet die Übergangsfrist und die damit verbundene Korrekturpraxis. Schreibweisen, die nicht der Neuregelung entsprechen, werden ab dem 01.08.2005 als Fehler nicht nur markiert, sondern auch bewertet. In den Bereichen, in denen der Rat seine Beratungen noch nicht abgeschlossen hat, jedoch Änderungsvorschläge zu erwarten sind, wird bei der Bewertung Toleranz geübt. Dies betrifft die Getrennt- und Zusammenschreibung, Worttrennung und Interpunktion. Für den Überschneidungsbereich von Getrennt- und Zusammenschreibung und Groß- und Kleinschreibung gilt diese Toleranzklausel ebenso.

3.   In Zweifelsfällen werden Wörterbücher zugrunde gelegt, die nach den Erklärungen des Verlages den aktuellen Stand der Regelung vollständig enthalten. In Österreich wird das Österreichische Wörterbuch zugrunde gelegt.

4.    Der aktuelle Stand des Regelwerks und des Wörterverzeichnisses ist im Internet (unter www.rechtschreibkommission.de) und im Buchhandel zugänglich.

Quelle: http://www.kmk.org/aktuell/pm050603.htm

 

 
 

 

Die Empfehlung des Rats zur Schreibung von Verbindungen mit Verben
(§ 34 des amtlichen Regelwerks)

Auf seiner Sitzung am 3. Juni 2005 hat der Rat für deutsche Rechtschreibung einen Beschluss zur Schreibung von Verbindungen mit Verben gefasst. Dieser Beschluss hat den Charakter einer Empfehlung, da Änderungen am amtlichen Regelwerk nur von den zuständigen staatlichen Stellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorgenommen werden können. Bevor diese darüber befinden, sieht das Statut noch eine Anhörung von Verbänden (insbesondere aus den Bereichen Schule und Verwaltung) vor.

Die Empfehlung des Rats ist auf großes Interesse seitens der Öffentlichkeit gestoßen und wird im Folgenden im Wortlaut wiedergegeben. Sie gliedert sich in vier Unterpunkte und umfasst die Zusammenschreibung von

(1) Verbpartikel und Verb,

(2) Adjektiv und Verb,

(3) Substantiv und Verb sowie

(4) Verb und Verb:

 

§ 34

Partikeln, Adjektive, Substantive oder Verben können als Verbzusatz mit Verben trennbare Zusammensetzungen bilden. Man schreibt sie nur in den Infinitiven, den Partizipien sowie im Nebensatz bei Endstellung des Verbs zusammen.

Dies betrifft:

(1)

Zusammensetzungen mit einer Verbpartikel als erstem Bestandteil. Verbpartikeln sind Bestandteile, die

(1.1)

formgleich mit Präpositionen sind, zum Beispiel:
ab-, an-, auf-, aus-, bei-, durch-, ein- (zur Präposition in-), entgegen-, entlang-, gegen-, gegenüber-, hinter-, in-, mit-, nach-, über-, um-, unter-, vor-, wider-, zu-, zuwider-, zwischen-

(1.2)

formgleich mit Adverbien, insbesondere Adverbien der Richtung, des Ortes, der Zeit sowie mit Pronominaladverbien sind, zum Beispiel:
abwärts-, auseinander-, beisammen-, davon-, davor-, dazu-, dazwischen-, empor-, fort-, her-, heraus-, herbei-, herein-, hin-, hinaus-, hindurch-, hinein-, hintenüber-, hinterher-, hinüber-, nebenher-, nieder-, rückwärts-, umher-, voran-, voraus-, vorbei-, vorher-, vorweg-, weg-, weiter-, wieder-, zurück-, zusammen-, zuvor-

E1: Zur Unterscheidung von Verbpartikel und selbstständigem Adverb: Bei Zusammensetzungen liegt der Hauptakzent normalerweise auf der Verbpartikel (vgl. wiedersehen, zusammensitzen), während bei Wortgruppen das selbstständige Adverb auch unbetont sein kann (vgl. wieder sehen, zusammen sitzen). Wenn das Betonungskriterium nicht zu einem eindeutigen Ergebnis führt, hilft in manchen Fällen eine der folgenden Proben weiter: (1) Das Adverb kann im Aussagesatz vor dem finiten Verb an erster Stelle stehen, die Verbpartikel hingegen nicht, vgl.: Dabei wollte sie nicht immer sitzen, sondern auch ab und zu mal stehen (Adverb dabei), aber Dabeisitzen wollte sie nicht immer (Verbpartikel dabei-). (2) Zwischen Adverb und Infinitiv können ein oder mehrere Satzglieder eingeschoben werden, zwischen Verbpartikel und verbalem Bestandteil hingegen nicht, vgl.: Sie wollte dabei nicht immer sitzen, sondern auch ab und zu mal stehen (Adverb dabei), aber Sie wollte nicht immer dabeisitzen (Verbpartikel dabei-).

E2: Eine Reihe von Pronominaladverbien mit dem Bestandteil dar- wirft besonders bei der Verwendung als Verbpartikel das a ab, zum Beispiel: darin sitzen – drinsitzen, ähnlich dran- (dranbleiben), drauf- (draufhauen), drauflos- (drauflosreden).

E3: Unter Kontrastakzent kann die Verbpartikel an die erste Stelle im Satz treten und wird dann vom Verb getrennt geschrieben, zum Beispiel: Beisammen bleiben wir immer. Heraus kam leider nichts. Hintan stellte er seine eigenen Bedürfnisse.

(1.3)

die Merkmale von frei vorkommenden Wörtern verloren haben, zum Beispiel:
abhanden-, anheim-, bevor-, dar-, einher-, entzwei-, fürlieb-, hintan-, inne-, überein-, überhand-, umhin-, vorlieb-, zurecht-

E4: Dazu gehören auch die folgenden ersten Bestandteile, die in der Verwendung beim Verb nicht mehr einer bestimmten Wortartkategorie zugeordnet werden können:
fehl-, feil-, heim-, irre-, kund-, preis-, wahr-, weis-, wett-

Zu Fällen wie infrage stellenin Frage stellen vgl. § 39 E3(1).


(2)


Zusammensetzungen mit einem adjektivischen ersten Bestandteil. Dabei sind folgende Fälle zu unterscheiden:

(2.1)

Es kann zusammen- wie auch getrennt geschrieben werden, wenn ein einfaches Adjektiv eine Eigenschaft als Resultat des Verbalvorgangs bezeichnet (sog. resultative Prädikative), zum Beispiel:
blank putzen/blankputzen, glatt hobeln/glatthobeln, klein schneiden/kleinschneiden; kalt stellen/kaltstellen, kaputt machen/kaputtmachen, leer essen/leeressen

(2.2)

Es wird zusammengeschrieben, wenn der adjektivische Bestandteil zusammen mit dem verbalen Bestandteil eine neue, idiomatisierte Gesamtbedeutung bildet, die nicht auf der Basis der Bedeutungen der einzelnen Teile bestimmt werden kann, zum Beispiel:
krankschreiben, freisprechen, (sich) kranklachen; festnageln (= festlegen), heimlichtun (= geheimnisvoll tun), kaltstellen (= (politisch) ausschalten), kürzertreten (= sich einschränken), richtigstellen (= berichtigen), schwerfallen (= Mühe verursachen), heiligsprechen

E5: Lässt sich in einzelnen Fällen keine klare Entscheidung darüber treffen, ob eine idiomatisierte Gesamtbedeutung vorliegt, so bleibt es dem Schreibenden überlassen, getrennt oder zusammenzuschreiben.

(2.3)

In den anderen Fällen wird getrennt geschrieben. Dazu zählen insbesondere Verbindungen mit morphologisch komplexen oder erweiterten Adjektiven, zum Beispiel:
bewusstlos schlagen, ultramarinblau streichen, ganz nahe kommen, bereit erklären, klein beigeben


(3)


Zusammensetzungen mit einem substantivischen ersten Bestandteil. Dabei handelt es sich um folgende Fälle, bei denen die ersten Bestandteile die Eigenschaften selbstständiger Substantive weitgehend verloren haben:
eislaufen, kopfstehen, leidtun, nottun, standhalten, stattfinden, stattgeben, statthaben, teilhaben, teilnehmen, wundernehmen

E6: In den nachstehenden Fällen ist bei den nicht näher bestimmten oder ergänzten Formen sowohl Zusammen- als auch Getrenntschreibung möglich, da ihnen eine Zusammensetzung oder eine Wortgruppe zugrunde liegen kann:
achtgeben/Acht geben (aber nur: sehr achtgeben, allergrößte Acht geben), achthaben/Acht haben, haltmachen/Halt machen, maßhalten/Maß halten

Zu Fällen wie staubsaugen/Staub saugen vgl. § 33 E.


(4)


Verbindungen mit einem verbalen ersten Bestandteil

Verbindungen aus zwei Verben werden getrennt geschrieben, zum Beispiel:
laufen lernen, arbeiten kommen, baden gehen, lesen üben

E7: Bei Verbindungen mit bleiben und lassen als zweitem Bestandteil ist bei übertragener Bedeutung auch Zusammenschreibung möglich. Dasselbe gilt für kennen lernen:
sitzen bleiben/sitzenbleiben (= nicht versetzt werden), stehen lassen/stehenlassen (= nicht länger beachten, sich abwenden), liegen bleiben/liegenbleiben (= unerledigt bleiben); kennen lernen/kennenlernen (= Erfahrung mit etw. oder jmdn. haben).

 

 

Rat für deutsche Rechtschreibung
Letzte Änderung: 22. Juni 2005




Die Empfehlung des Rats zu den noch ausstehenden Bestimmungen aus dem Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung (§§ 33, 35-39)

 

Auf seiner Sitzung am 1. Juli 2005 hat der Rat für deutsche Rechtschreibung einen Beschluss zu den noch ausstehenden Bestimmungen aus dem Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung gefasst. Dieser Beschluss hat - genauso wie der Beschluss vom 3. Juni zu § 34 - den Charakter einer Empfehlung, da Änderungen am amtlichen Regelwerk nur von den zuständigen staatlichen Stellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorgenommen werden können. Bevor diese darüber befinden, sieht das Statut noch eine Anhörung von Verbänden (insbesondere aus den Bereichen Schule und Verwaltung) vor.

Die Empfehlung wird im Folgenden im Wortlaut wiedergegeben. Sie gliedert sich in (0) Vorbemerkungen, (1) Verb (§ 33 bis 35), (2) Adjektiv (§ 36), (3) Substantiv (§ 37 und § 38) und (4) andere Wortarten (§ 39).

 


0 Vorbemerkung

(1)

Die Getrennt- und Zusammenschreibung betrifft Einheiten, die im Text unmittelbar benachbart und aufeinander bezogen sind. Handelt es sich um die Bestandteile von Wortgruppen, so schreibt man sie getrennt. Handelt es sich um die Bestandteile von Zusammensetzungen, so schreibt man sie zusammen.

(2)

Einheiten derselben Form können manchmal sowohl eine Wortgruppe (wie schwer beschädigt) als auch eine Zusammensetzung (wie schwerbeschädigt) bilden. Die Verwendung einer Wortgruppe oder einer Zusammensetzung richtet sich danach, was jeweils gemeint ist und was dem Sprachgebrauch und den Regularitäten des Sprachbaus entspricht.

(3)

Bei den verschiedenen Wortarten sind - auch in Abhängigkeit von sprachlichen Entwicklungsprozessen - spezielle Bedingungen zu beachten. Daher ist die folgende Darstellung nach der Wortart der Zusammensetzung gegliedert:

1 Verb (§ 33 bis 35)
2 Adjektiv (§ 36)
3 Substantiv (§ 37 und § 38)
4 Andere Wortarten (§ 39)


1 Verb

Zusätzlich zur generellen Unterscheidung von Wortgruppen (wie auf den Berg steigen) und Zusammensetzungen (wie bergsteigen) hat man bei Verbstämmen untrennbare von trennbaren Zusammensetzungen zu unterscheiden:

 

(a)

Untrennbare Zusammensetzungen bestehen aus einem Verbstamm, dem ein Stamm eines Substantivs, eines Adjektivs oder einer Partikel vorausgeht. Man erkennt sie daran, dass die Reihenfolge ihrer Bestandteile stets unverändert bleibt:
maß + regeln: Wer jemanden maßregelt … Man maßregelte ihn … Niemand wagte, ihn zu maßregeln. Er wurde offiziell gemaßregelt.

(b)

Trennbare Zusammensetzungen bestehen aus einem Verbstamm, dem ein Verbzusatz vorausgeht. Man erkennt sie daran, dass die Reihenfolge ihrer Bestandteile in Abhängigkeit von ihrer Stellung im Satz wechselt:
hinzu + kommen: Wenn dieses Argument hinzukommt ... Dieses Argument kommt hinzu. Dieses Argument kommt erschwerend hinzu.

 

§ 33

Substantive, Adjektive, Präpositionen oder Adverbien können mit Verben untrennbare Zusammensetzungen bilden. Man schreibt sie zusammen.

Dies betrifft

(1)

Zusammensetzungen aus Substantiv + Verb, zum Beispiel: brandmarken (gebrandmarkt, zu brandmarken), handhaben, lobpreisen, maßregeln, nachtwandeln, schlafwandeln, schlussfolgern

E: In manchen Fällen stehen Zusammensetzung und Wortgruppe nebeneinander, zum Beispiel: danksagen/Dank sagen (er sagt Dank), gewährleisten/Gewähr leisten (sie leistet Gewähr), staubsaugen/Staub saugen (er saugt Staub); brustschwimmen/Brust schwimmen (er schwimmt Brust), delfinschwimmen/Delfin schwimmen (sie schwimmt Delfin), marathonlaufen/Marathon laufen (sie läuft Marathon).

Zu Fällen wie Acht geben/achtgeben vgl. § 34 E6.

(2)

Zusammensetzungen aus Adjektiv + Verb, zum Beispiel: frohlocken (frohlockt, zu frohlocken), langweilen, liebäugeln, vollbringen, vollenden, weissagen

(3)

Zusammensetzungen aus Präposition + Verb oder Adverb + Verb mit Betonung auf dem zweiten Bestandteil, zum Beispiel: durchbrechen (er durchbricht die Regel, zu durchbrechen), hintergehen, übersetzen (sie übersetzt das Buch), umfahren, unterstellen, widersprechen, wiederholen

 

§ 35

Verbindungen mit sein werden getrennt geschrieben, zum Beispiel: beisammen sein, fertig sein, los sein, vonnöten sein, vorbei sein, vorhanden sein, vorüber sein, zufrieden sein


2 Adjektiv

§ 36

Substantive, Adjektive, Verben, Adverbien oder Wörter anderer Kategorien können als erster Bestandteil zusammen mit einem adjektivischen oder adjektivisch gebrauchten zweiten Bestandteil Zusammensetzungen bilden.

 

Dies betrifft:

(1)

Es wird zusammengeschrieben, wenn

(1.1)

der erste Bestandteil mit einer Wortgruppe paraphrasierbar ist, zum Beispiel:
angsterfüllt, bahnbrechend, butterweich, fingerbreit, freudestrahlend, herzerquickend, hitzebeständig, jahrelang, knielang, meterhoch, milieubedingt; denkfaul, fernsehmüde, lernbegierig, röstfrisch, schreibgewandt, tropfnass; selbstbewusst, selbstsicher; altersschwach, anlehnungsbedürftig, geschlechtsreif, lebensfremd, sonnenarm, werbewirksam

E1: Im Unterschied zur Zusammensetzung weist die entsprechende syntaktische Fügung Artikel, Präpositionen u. Ä. auf, zum Beispiel: von Angst erfüllt (= angsterfüllt), das Herz erquickend (= herzerquickend), durch das Milieu bedingt (= milieubedingt), rot wie Feuer (= feuerrot)

E2: Viele der Zusammensetzungen sind bereits an der Verwendung eines Fugenelements zu erkennen, zum Beispiel: altersschwach, sonnenarm, werbewirksam

(1.2)

der erste oder der zweite Bestandteil in dieser Form nicht selbstständig vorkommt, zum Beispiel:
einfach, zweifach; letztmalig, redselig, saumselig, schwerstbehindert, schwindsüchtig; blauäugig, großspurig, kleinmütig, vieldeutig; der schwerwiegendere Vorwurf, die zeitsparendste Lösung

(1.3)

das dem Partizip zugrunde liegende Verb entsprechend § 33 bzw. § 34 mit dem ersten Bestandteil zusammengeschrieben wird, zum Beispiel:
wehklagend (wegen wehklagen); herunterfallend, heruntergefallen; irreführend, irregeführt; teilnehmend, teilgenommen

(1.4)

es sich um gleichrangige (nebengeordnete) Adjektive handelt, zum Beispiel: blaugrau, dummdreist, feuchtwarm, grünblau, nasskalt, taubstumm
Zur Schreibung mit Bindestrich siehe § 45(2).

(1.5)

der erste Bestandteil bedeutungsverstärkend oder bedeutungsabschwächend ist. Mit Bestandteilen dieser Art werden zum Teil lange Reihen gebildet, zum Beispiel:
bitter- (bitterböse, bitterernst, bitterkalt), brand-, dunkel-, erz-, extra-, gemein-, grund-, hyper-, lau-, minder-, stock-, super-, tod-, ultra-, ur-, voll-

(1.6)

es sich um mehrteilige Kardinalzahlen unter einer Million sowie allgemein um Ordinalzahlen handelt, zum Beispiel:
dreizehn, siebenhundert, neunzehnhundertneunundachtzig; der siebzehnte Oktober, der einhundertste Geburtstag, der fünfhunderttausendste Fall, der zweimillionste Besucher

Beachte aber Substantive wie Dutzend, Million, Milliarde, Billion, zum Beispiel: zwei Dutzend Hühner, eine Million Teilnehmer, zwei Milliarden fünfhunderttausend Menschen

(2)

Zusammen- wie auch getrennt geschrieben werden kann, wenn der entsprechende Ausdruck sowohl als Zusammensetzung als auch als syntaktische Fügung angesehen werden kann.

(2.1)

Verbindungen von Substantiven, Adjektiven, Adverbien oder Partikeln mit adjektivisch gebrauchten Partizipien, zum Beispiel:
die Rat suchenden/ratsuchenden Bürger, eine allein erziehende/alleinerziehende Mutter; ein klein geschnittenes/kleingeschnittenes Radieschen, selbst gebackene/selbstgebackene Kekse

E3: Bei erweiterten bzw. gesteigerten Formen richtet sich die Schreibung danach, ob nur der erste Bestandteil oder die gesamte Verbindung betroffen ist, vgl. ein schwerwiegenderer Vorfall - ein schwerer wiegender Vorfall; eine äußerst notleidende Bevölkerung - eine große Not leidende Bevölkerung

(2.2)

Verbindungen mit einem einfachen unflektierten Adjektiv als graduierender Bestimmung, zum Beispiel:
schwer verständlich/schwerverständlich, halb fett/halbfett, schwer krank/schwerkrank, früh reif/frühreif

E4: Ist der erste Bestandteil erweitert oder gesteigert, dann wird getrennt geschrieben, zum Beispiel:
leichter verdaulich, besonders schwer verständlich, höchst erfreulich

In Zweifelsfällen entscheidet die Akzentplatzierung, vgl. er ist höchstpersönlich gekommen - das ist eine höchst persönliche Angelegenheit.

(2.3)

Verbindungen von nicht mit Adjektiven, zum Beispiel:
eine nicht öffentliche/nichtöffentliche Sitzung, nicht operativ/nichtoperativ behandeln

E5: Bezieht sich nicht auf größere Einheiten, wie zum Beispiel auf den ganzen Satz, so wird es getrennt vom Adjektiv geschrieben, vgl. Die Sitzung findet nicht öffentlich statt.

 


3 Substantiv

§ 37

Substantive, Adjektive, Verbstämme, Pronomen oder Partikeln können mit Substantiven Zusammensetzungen bilden. Man schreibt sie ebenso wie mehrteilige Substantivierungen zusammen.

Dies betrifft:

(1)

Zusammensetzungen:

(1.1)

mit substantivischem Erstglied: Holztür, Hoheitsgebiet, Holzbearbeitung, Hosenrock

E1: Als Erstelemente können auch Eigennamen (Goethegedicht; Parisreise) und in lexikalisierten Fällen von Namen abgeleitete Herkunfts- und Zugehörigkeitsbezeichnungen auf -er (Danaergeschenk) auftreten [vgl. aber § 38].

E2: Das betrifft auch Eigennamen mit dieser Struktur - es handelt sich besonders um Straßennamen: Bahnhofstraße, Schopenhauerstraße [zum Typ Willy-Brandt-Straße vgl. § 50]

(1.2)

mit adjektivischem Erstglied: Hochhaus, Schnellstraße, Freileitung

(1.3)

mit verbalem Erstglied: Backform, Schreibtisch, Waschmaschine

(1.4)

mit pronominalem Erstglied: Ichsucht, Wemfall, Niemandsland

(1.5)

mit Elementen unflektierter Wortarten (Adverbien, Partikeln): Jetztzeit, Nichtraucher, Selbstverständnis

E3: Dieser Regel folgen auch lexikalisierte, ursprünglich aus dem Englischen stammende bzw. aus englischen Einheiten gebildete Zusammensetzungen: Bandleader, Cheerleader, Chewinggum, Mountainbike, Bluejeans, Hardware, Swimmingpool.
Zu den verschiedenen Fällen von Bindestrichschreibung vgl. § 45.

E4: Aus dem Englischen stammende Bildungen aus Adjektiv + Substantiv können zusammengeschrieben werden, wenn der Hauptakzent auf dem ersten Bestandteil liegt, also Hotdog oder Hot Dog, Softdrink oder Soft Drink, aber nur High Society, Electronic Banking oder New Economy.

E5: Bruchzahlangaben vor entsprechenden Maßeinheiten können als ein zweiteiliges Zahladjektiv angesehen werden: fünf hunderstel Sekunden. Der Nenner der Bruchzahl kann auch mit der Maßeinheit eine Zusammensetzung bilden: fünf Hunderstelsekunden. Bei der Unterscheidung hilft die Betonung.

(2)

Mehrteilige Substantivierungen, zum Beispiel:
das Holzholen, das Inkrafttreten; der Kehraus, das Stelldichein, das Vergissmeinnicht


§ 38 und § 39 verbleiben nach Vorschlag des Rats für deutsche Rechtschreibung grundsätzlich in der Fassung von 2004.

 

Rat für deutsche Rechtschreibung
Letzte Änderung: 27. Juli 2005

 

Quelle:  http://www.rechtschreibkommission.de/